Studie: 22,97 % illegales Online-Glücksspiel in Deutschland

Symbolbild zu illegalem Online-Glücksspiel in Deutschland mit Regulierungs- und Schwarzmarktbezug

Eine neue, von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beauftragte Untersuchung beziffert das illegale Online-Glücksspiel in Deutschland auf 22,97 % des Marktvolumens. Die Zahl dürfte die Debatte über die Wirksamkeit des aktuellen Regulierungsmodells weiter anheizen.

Kurz gefasst: Die Studie setzt die Kanalisierungsquote des regulierten Marktes auf 77,03 %. Zugleich bleibt der illegale Markt groß genug, um die laufende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 politisch weiter zu belasten.

Was die Studie über illegales Online-Glücksspiel in Deutschland zeigt

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder veröffentlichte die Ergebnisse am 16. März 2026. Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Blockchain Research Lab. Laut der Studie entfallen 22,97 % des Marktvolumens im Online-Glücksspiel auf unerlaubte Angebote. Im Umkehrschluss ergibt sich eine Kanalisierungsquote von 77,03 %, also ein Anteil von gut drei Vierteln für den regulierten Markt.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

  • 22,97 % des Marktvolumens im Online-Glücksspiel entfallen laut Studie auf unerlaubte Angebote.
  • 77,03 % beträgt die daraus abgeleitete Kanalisierungsquote des regulierten Marktes.
  • Der illegale Online-Markt könnte 2024 auf einen Bruttospielertrag von rund 547 Mio. Euro gekommen sein, nach etwa 466 Mio. Euro im Jahr 2023.
  • Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von 2.000 Teilnehmenden und 4.027 Nennungen von Anbietern.

Die Studie stützt sich auf eine Spielerbefragung mit 2.000 Teilnehmenden und 4.027 Nennungen von Anbietern. Dabei entfielen 20,3 % der Nennungen auf nicht-lizenzierte Plattformen. Bei den finanziellen Kennzahlen lag deren Anteil höher: 22,4 % der Einsätze und 22,97 % der Verluste wurden dem unregulierten Segment zugerechnet. Auf dieser Basis schätzen die Autoren den Bruttospielertrag des illegalen Online-Marktes auf rund 547 Mio. Euro für 2024, nach etwa 466 Mio. Euro für 2023.

Methodischer Vorbehalt: Die Autoren schreiben selbst, dass die Daten aus einer Panelbefragung stammen und nicht auf Bevölkerungsebene repräsentativ sind. Rückblickende Angaben zu Einsätzen und Ausgaben können zudem fehleranfällig sein. Die neue Zahl ist daher eher ein belastbarer Zwischenstand als ein endgültiger Schlusspunkt.

Warum die Debatte weitergeht

Politisch kommt die Veröffentlichung zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Länder arbeiten 2026 an der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021; ein Abschlussbericht soll bis Jahresende vorliegen. Nach Darstellung der GGL soll diese Bewertung vor allem klären, ob die Regulierung ihre Ziele erreicht hat, also illegales Online-Glücksspiel in Deutschland einzudämmen und den Spielerschutz wirksam umzusetzen. Die neue Studie fließt ausdrücklich in diesen Prozess ein.

Gleichzeitig beendet die Untersuchung den Streit über das Ausmaß des Schwarzmarkts nicht. Ein oft zitierter Branchenansatz aus dem Jahr 2023 kam auf eine Kanalisierungsrate von nur 50,7 % und zeichnete damit ein deutlich problematischeres Bild. Die Differenz erklärt sich vor allem durch die Methodik: Dort ging es um Nutzungsanteile und Besuche, während die neue GGL-gestützte Studie stärker auf Spielerverhalten, Einsätze und Verluste abstellt.

Dass der illegale Markt trotz Regulierung relevant bleibt, zeigt auch der Vollzug. Die GGL führt für 2024 unter anderem 459 nicht mehr erreichbare Seiten nach Untersagungsverfahren, 657 gesperrte Seiten per Netzsperre, 165 Fälle von Payment-Blocking und 23 Strafanzeigen an. Das spricht nicht für einen kollabierten Regulierungsrahmen, aber ebenso wenig für ein gelöstes Problem. Wahrscheinlicher ist, dass Deutschland nun weniger über das Ob des Schwarzmarkts diskutieren wird als über seine tatsächliche Größe — und darüber, welche Nachschärfungen möglich sind, ohne den Spielerschutz zu verwässern.